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T3CON24 Recap - Die Zukunft des Einkaufens: Wie KI und Spatial Computing E-Commerce verändern werden

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Sie Kleidung anprobieren können, ohne eine enge Umkleidekabine zu betreten, in der digitale Avatare Ihnen helfen, neue Styles zu entdecken, und in der KI genau weiß, wann Ihr Shampoo zur Neige geht. Auf der T3CON24 gaben Julia Leusing und Marie Reckendrees von shopware AG einen spannenden Einblick in diese gar nicht so ferne Zukunft des Einkaufens.

In ihrem Vortrag "Die Zukunft des Einkaufserlebnisses" argumentierten Leusing und Reckendrees, dass KI und Spatial Computing dem Online-Shopping nicht nur neue Funktionen hinzufügen, sondern die Art und Weise, wie wir Produkte entdecken, erleben und kaufen, völlig neu gestalten werden. Anhand von Demonstrationen, Fallstudien und futuristischen Szenarien präsentierten sie drei wichtige Erkenntnisse, die Unternehmen bei der Vorbereitung auf die nächste Welle des E-Commerce berücksichtigen sollten:

  1. Künstliche Intelligenz und räumliche Datenverarbeitung werden die menschlichen Beziehungen verbessern, nicht ersetzen - und so neue Wege für die Interaktion zwischen Marken und Verbrauchern schaffen.
  2. Die menschliche Note bleibt unersetzlich, wenn es darum geht, sinnvolle Einkaufserlebnisse zu schaffen.
  3. Die Zukunft des Einkaufens ist näher als wir denken, denn die Generation Z erwartet bereits, dass diese Technologien zum Standard gehören.

Julia Leusing

shopware AG

Julia Leusing bringt einen Design-Hintergrund in ihre Rolle als Produktmanagerin in Shopwares Forschungs- und Innovationsteam ein. Mit ihrer Leidenschaft, Grenzen zu überschreiten, konzentriert sie sich auf KI, Spatial Commerce, 3D und Gamification - und verfolgt seit 2017 sogar jedes Stück ihrer eigenen Kleidung in einem digitalen Kleiderschrank.

Marie Reckendrees

shopware AG

Marie Reckendrees bringt Erfahrung als UX-Designerin und CMS-Product-Owner mit und begeistert sich für alle Themen rund um Customer Experience, Content und Storytelling. Als Product Managerin bei Shopware treibt sie das Thema Spatial Commerce voran und entwickelt Visionen und Strategien für die nächste Ära des Onlinehandels.

 

Stärkere menschliche Verbindungen durch KI und Spatial Computing im E-Commerce

Künstliche Intelligenz im E-Commerce umfasst alles von personalisierten Produktempfehlungen bis hin zu automatisierten Kaufentscheidungen. Spatial Computing hingegen bezieht sich auf Technologien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Mixed Reality, die eine Interaktion zwischen digitalen Inhalten und unserer physischen Welt ermöglichen. Diese transformativen Technologien können die Art und Weise, wie Menschen E-Commerce erleben, verbessern und tiefere Verbindungen zwischen Verbrauchern, Produkten und Marken fördern.

"Im Jahr 2024 ging es für uns vor allem darum, mit unserem Team viel zu forschen und mit den neuesten Technologien zu experimentieren", begann Leusing. "Und jetzt, wo sich das Jahr langsam dem Ende zuneigt, wollen wir unsere wichtigsten Erkenntnisse aus unserer Forschung teilen."

Diese Technologien sind nicht nur relevant, sondern werden für Unternehmen, die TYPO3 und andere Content-Management-Systeme einsetzen, immer wichtiger. Da sich die Erwartungen der Verbraucher weiterentwickeln, bieten sie die Möglichkeit, ansprechende, personalisierte Einkaufserlebnisse zu schaffen, die die Konversion fördern und die Markentreue stärken.

Eine neue Ära des personalisierten Einkaufserlebnisses

Eine der tiefgreifendsten Veränderungen im E-Commerce geht von der Fähigkeit der KI aus, Kundenbedürfnisse vorauszusehen und routinemäßige Einkaufsentscheidungen zu automatisieren. In ihrer Präsentation erläuterte Marie Reckendrees, wie sich der Handel der Zukunft in zwei klar unterscheidbare Erlebnisse aufteilen wird: „Auf der einen Seite steht der assistenzgesteuerte Handel – automatisierte Prozesse für nicht emotionale Probleme. Auf der anderen Seite steht ein emotionales Erlebnis, bei dem Technologien wie Augmented Reality Interfaces schaffen, über die Kundinnen und Kunden mit Marken interagieren und unterhalten werden.“

KI-Assistenten werden dabei immer leistungsfähiger – sie übernehmen zunehmend komplexe Aufgaben und interagieren dabei auf eine menschenähnliche, kontextbewusste Weise. Die Referentinnen demonstrierten dies anhand eines KI-Agenten namens „Pearl“, der nicht nur Termine koordinieren und Kundenanfragen bearbeiten konnte, sondern dies mit Persönlichkeit und situativem Feingefühl tat.

„Was wäre, wenn Ihr digitaler Assistent – eine personalisierte KI – bereits weiß, dass Ihr Shampoo zur Neige geht, und automatisch eine Nachbestellung auslöst?“, fragte Reckendrees. „KI kann Dinge lösen, bevor sie überhaupt zu einem Problem werden. Sie versteht nicht nur Ihre Bedürfnisse, sondern auch Ihre Wünsche und Träume.“

Spatial Computing und immersive Einkaufserlebnisse

Während KI das Einkaufserlebnis personalisiert, verändert Spatial Computing grundlegend, wie Konsumentinnen und Konsumenten mit Produkten interagieren – noch bevor sie einen Kauf tätigen. Anwendungen mit Augmented Reality (AR) ermöglichen es heute schon, Möbel virtuell in der eigenen Wohnung zu platzieren oder Brillen anzuprobieren, ohne ein Geschäft zu betreten.

„Stellen Sie sich vor: Sie gehen durch Ihre Wohnung – aber sie sieht plötzlich ganz anders aus“, beschreibt Julia Leusing. „Über eine App auf Ihrer Brille verwandelt sich Ihr Zuhause in ein völlig neues Erlebnis.“

Sie erläutert die Auswirkungen auf den Handel weiter: „Jedes Möbelstück, das Sie sehen, können Sie verändern, anpassen und damit interagieren – ohne auch nur ein einziges Produkt gekauft zu haben.“

„Diese Technologien machen das Einkaufen nicht nur bequemer und bringen Produkte in unser Zuhause“, erklärt Marie Reckendrees, „sie verändern auch unser emotionales Empfinden beim Einkaufen. Sie ermöglichen es uns, in völlig neue Umgebungen einzutauchen und schaffen immersive Erlebnisse, die eine tiefere Verbindung zur Marke aufbauen.“

Die Vortragenden zeigten Beispiele von räumlich erweiterten Einkaufserlebnissen, in denen digitale und physische Elemente miteinander verschmelzen. Es geht nicht mehr nur um den Kaufprozess, sondern um eindrucksvolle Markenerfahrungen, etwa beim Lebensmitteleinkauf: „Anstatt durch einen langweiligen Supermarkt zu laufen, werden Produkte visuell inszeniert und zum Leben erweckt, so erleben Sie sie, bevor sie überhaupt bei Ihnen ankommen“, so Reckendrees. „Wir können buchstäblich in neue digitale Welten eintauchen.“

Ein weiteres Highlight war die Möglichkeit virtueller Anproben mithilfe von AR. Leusing teilte ihre persönliche Vision: „Ich träume davon, ein Geschäft zu betreten, das eigentlich gar keines ist. Davon, Kleidung anzuprobieren, ohne eine enge Umkleidekabine zu betreten. Ich träume davon, nur die Kleidungsstücke zu sehen, die wirklich zu mir passen – ganz ohne den Stress eines vollen Einkaufszentrums am Samstag.“

Diese Verschmelzung von physischem und digitalem Einzelhandel eröffnet Marken völlig neue Wege, um mit Kundinnen und Kunden zu interagieren. Einkaufen wird so vom Pflichttermin zu einem interaktiven, unterhaltsamen Erlebnis, das Menschen bewusst aufsuchen.

Die unersetzbare menschliche Komponente im E-Commerce

So leistungsfähig KI und Spatial Computing für die Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen im E-Commerce auch sein mögen, die Referenten betonten, dass sie authentische menschliche Interaktion nicht vollständig ersetzen können - und sollten.

"Wenn ich mich hier in diesem Raum umschaue, sehe ich, dass Sie sich inspirieren lassen wollen. Sie wollen sich verändern, Sie wollen Ideen miteinander teilen", bemerkte Julia Leusing. "Und wir glauben, dass diese Erfahrung etwas ist, das KI nicht ersetzen kann und nicht ersetzen wird."

Die Redner wiesen auf einen besorgniserregenden Trend hin: Laut Reckendrees "haben 59 % aller Verbraucher das Gefühl, dass Unternehmen den Bezug zum menschlichen Element der Kundenerfahrung verloren haben." Diese Statistik aus der PwC-Studie "Future of Customer Experience" unterstreicht das Risiko, dem Unternehmen ausgesetzt sind, wenn sie der Technologie auf Kosten der menschlichen Beziehung den Vorrang geben.

Die Herausforderung für Marken besteht darin, das richtige Gleichgewicht zu finden - Technologie zu nutzen, um sinnvolle menschliche Interaktionen zu verbessern und nicht zu ersetzen.

Gemeinsame Erlebnisse schaffen, die im Gedächtnis bleiben

Leusing und Reckendrees präsentierten zwei eindrucksvolle Beispiele dafür, wie moderne Technologien das gemeinschaftliche Erleben fördern können, anstatt Nutzerinnen und Nutzer in isolierte Konsumsituationen zu führen.

Während das Online Shopping bislang häufig als eher zurückgezogenes Verhalten verstanden wurde – „eine isolierte Erfahrung, die ich auf meinem Sofa mache“, wie Leusing es formulierte – verwies sie auf ein deutsches Konzeptgeschäft, das den stationären Handel als sozialen Begegnungsraum neu interpretiert. Dieser Ort sei nicht nur ein Geschäft im klassischen Sinne, sondern ein vielschichtiger Raum, in dem digitale und physische Ebenen miteinander verschmelzen und jeder Besuch ein einzigartiges Erlebnis darstellt, das sich mit anderen teilen lässt.

Ergänzend schilderte Reckendrees ein persönliches Erlebnis während eines Konzerts in London, das sie aus nächster Nähe verfolgte. Neben ihr befand sich eine ältere Frau, die völlig in der Musik aufging – sie tanzte, jubelte und ließ sich emotional mitreißen, als würde sie ihre Jugend noch einmal erleben. Diese Erinnerung diente ihr als Symbol für die Relevanz generationenübergreifender Erlebnisse, die Menschen in gemeinsamen Momenten verbinden. Sie regte an, dass digitale Avatare künftig vergleichbare Erlebnisse auch im digitalen Raum ermöglichen könnten.

Im Hinblick auf die zukünftige Ausrichtung des Handels wird es für Unternehmen zunehmend entscheidend, die Rolle zwischenmenschlicher Beziehungen im Konsumverhalten zu verstehen und aktiv in ihre Strategien zu integrieren – insbesondere vor dem Hintergrund einer neuen Konsumentengruppe, die mit veränderten Erwartungen an Technologieeinsatz und Einkaufserlebnis an den Markt tritt.

Die Zukunft ist näher, als Sie denken

"Wenn wir über die Zukunft sprechen, müssen wir uns auch fragen: Wer ist mein zukünftiger Kunde oder meine zukünftige Kundin? Wahrscheinlich ist es einer der Gen Z", so Leusing. "Und diese Generation hat ganz andere Ansprüche, als wir sie kennen."

Diese Digital Natives sind mit Technologie aufgewachsen, die nahtlos in ihr Leben integriert ist. Die Folgen für den Einzelhandel sind erheblich. Leusing erklärte: "Sie werden nicht von VR oder einem KI-Chat überrascht sein, aber in Ihrem Geschäft oder bei Ihrem Service erwarten sie, dass KI und Raumfahrt in ihre Customer Journey integriert werden."

Statistische Erkenntnisse aus einem Bericht von Klarna untermauern diese Sichtweise: "76 % der Gen Z glauben, dass Augmented Reality ihr Einkaufserlebnis im Laden verbessern wird, und 27 % glauben, dass es bereits ein Standard in Einzelhandelsgeschäften sein wird", berichtete Leusing.

AR-Geräte wie der Apple Vision Pro und der Meta Aria haben vor kurzem die Tür für die Mainstream-Annahme dieser Technologien geöffnet.

Vorbereitung auf die nächste Welle der E-Commerce-Innovation

Von KI-gestützter kontextbezogener Suche bis hin zu immersiver 3D-Produktvisualisierung - die Werkzeuge für die Schaffung von Einkaufserlebnissen der nächsten Generation sind bereits heute vorhanden und können von vorausschauenden Unternehmen genutzt werden. Für TYPO3-Agenturen, Entwickler und E-Commerce-Entscheider bedeutet dies, dass sie über die traditionellen digitalen Schaufenster hinausschauen müssen, um ansprechendere, personalisierte und immersive Erlebnisse zu schaffen.

Wie Leusing in ihrem Schlusswort betonte: "Die Zukunft braucht gute Ideen. Sie braucht Start-ups, Agenturen, Unternehmen und Menschen wie Sie, um diese Technologien in eine Richtung zu lenken, von der wir alle profitieren können. Die Zukunft gehört denen, die sich trauen, neue Wege zu gehen."

Sie ruft dazu auf, neue Technologien nicht nur passiv zu übernehmen, sondern aktiv mitzugestalten, wie KI und räumliches Rechnen den Handel verändern werden. Indem sie sich diese Innovationen jetzt zu eigen machen und sie so einsetzen, dass sie die menschliche Beziehung nicht ersetzen, sondern verbessern, können sich Unternehmen an der Spitze der nächsten Ära des E-Commerce positionieren und Einkaufserlebnisse schaffen, die bei der nächsten Generation von Verbrauchern Anklang finden.

"Lassen Sie uns heute damit beginnen, sinnvolle Verbindungen zu schaffen", schloss Reckendrees.

Hat Ihnen dieser Rückblick gefallen? Wenn Sie alle aufregenden Momente der T3CON24 noch einmal erleben möchten, sollten Sie sich unseren Rückblick auf die gesamte Konferenz ansehen!

Offizielle T3CON24-Zusammenfassung