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#05 – Transkript

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Myrna Gönnemann (00:00)
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcast-Episode von Business Insights. In diesem Podcast sprechen wir aus dem TYPO3 Team mit spannenden Gästen aus der Community, aus Agenturen, Partnerunternehmen und Projekten über Themen, die uns als Open-Source-System und als Community bewegen. Ich bin Myrna Gönnemann und arbeite im Bereich Success Management bei der TYPO3 GmbH. In dieser Folge beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Agenturen intern skalieren können. Konkret, wie man innerhalb des eigenen Unternehmens eine neue Business-Unit aufbaut ohne dabei in erster Linie auf Neueinstellungen zu setzen. Und dafür habe ich heute gleich zwei besondere Gäste bei mir, Jan Suchandt und Nick Bartlitz von unserer Partneragentur 3m5. Die beiden haben bei 3m5 gemeinsam die TYPO3 Business Unit mit aufgebaut. Heute umfasst sie rund 30 Kolleginnen und Kollegen vom Azubi bis Senior Dev. In dieser Episode haben wir darüber gesprochen, wie man eine solche Unit organisch wachsen lässt, warum Mentoring und interne Community oft mehr bewirken als klassisches Recruiting und wie Zertifizierungen bei ihnen fast schon zum sportlichen Wettbewerb geworden sind. Wir schauen uns außerdem an, welche Fehler sie beim Aufbau gemacht haben, was sie heute anders machen würden und welche Rolle künstliche Intelligenz gerade für den Nachwuchs in der Branche spielt. Also begleitet Jan, Nick und mich bei einem Austausch über Skalieren von innen, Community als Erfolgsfaktor und die Zukunft der Nachwuchsförderung. Ganz viel Spaß beim Zuhören!

Hi Jan, hi Nick, schön, dass ihr da seid oder viel besser, dass ich bei euch in eurem schönen Büro sein darf. Wir sprechen heute gewissermaßen über Skalieren und zwar innerhalb des eigenen Unternehmens, also konkret über das Gründen einer neuen eigenen Business Unit. Ihr habt genau das bei 3m5 durchgezogen und zwar mit einer TYPO3 Unit und darüber will ich heute mit euch sprechen. Schön, dass ihr da seid.

Jan Suchandt (02:00)
Schön, dass du da bist. Schön, dass wir die Gelegenheit haben mit dir heute zu sprechen über das Thema.

Myrna Gönnemann (02:04)
Ich würde sagen, starten wir direkt mal rein mit der ersten Frage. Wie kommt man überhaupt darauf, eine eigene Business Unit innerhalb einer Agentur zu gründen? Und wo habt ihr da den Need für gesehen?

Jan Suchandt (02:15)
Das ist ja quasi kein Thema, was irgendwie von hier auf gleich passiert, über eine längere Zeit bei uns gewachsen ist. Zum einen ist natürlich aus dem logischen Kundenbedarf heraus, aus der technischen Expertise, die wir schon von Anfang an haben. Und ein konkretes Beispiel von TYPO3 ist es einfach bei uns in der DNA. Also wir haben relativ zeitig erkannt, dass der Need da ist für ein Enterprise Content Management System, hier im Umkreis bei uns, als auch deutschlandweit, und haben uns da relativ schnell positioniert dazu.

Myrna Gönnemann (02:42)
Und wie groß ist eure TYPO3 und wie ist sie organisiert? Also wie sehen die Rollen aus oder ist sie eingebettet, ist sie eigenständig?

Nick Bartlitz (02:50)
Unsere TYPO3-Unit umfasst etwa 30 Leute, recht frei organisiert. Ist quasi ein interdisziplinäres Team von Azubis bis hin zu typischen TYPO3-Entwicklern, bis hin zu UI-UX-Experten oder unter anderem auch Projektleiter. Grundsätzlich haben wir einen regen Austausch im Slack. Das ist natürlich unser Hauptkanal, über den wir uns austauschen. Wir haben regelmäßige Roundtables organisiert für uns intern, wo wir quasi alle zusammenkommen und alle Ideen und die wir so über die Wochen gesammelt haben, quasi untereinander austauschen können. Dann haben wir natürlich eine Moderation und Organisation durch unsere Kollegen Tim und Jan, aber ist natürlich auch frei für alle anderen Teilnehmer und Interessenten aus anderen Bereichen natürlich, weil hier ist auch wichtig, dass wir den Austausch zwischen den Units oder zwischen anderen Bereichen natürlich in der Agentur auflegen.

Myrna Gönnemann (03:42)
Das heißt, Tim und Jan sind bei euch so was wie Unit-Leads.

Jan Suchandt (03:44)
Ja, das hat sich so bisschen rauskristallisiert. Wir versuchen uns natürlich relativ autonom zu organisieren. Insbesondere versuchen wir eben Engagement und Ehrgeiz zu fördern. Und gerade Tim, der noch relativ neu im TYPO3 ist, hat sich relativ schnell herausgetan, indem er eben sehr engagiert ist bei uns, sowohl intern als auch extern. Und sehr, viel Verantwortung übernommen hat, insbesondere das Organisieren, zum Beispiel internen Roundtables, die wir regelmäßig halten, das Up-to-Date-Halten bis hinzu das Organisieren, wie wir die Zertifizierung machen und allgemein diesen Drive zu haben und die Leute zu aktivieren und eben Freude an der Entwicklung mit TYPO3 zu haben.

Myrna Gönnemann (04:19)
Und wie sieht das bei euch in der Unit aus mit dem Thema Kundenakquise und Sales? Macht ihr das selbst innerhalb der Unit oder ist das Unit übergreifend bei euch organisiert?

Jan Suchandt (04:30)
Sowohl als auch. Wir versuchen natürlich aus der bestehenden Unit heraus eigenständig die Entwickler und Projektleiter beziehungsweise generell die Leute, die dich mit TYPO3 und den Kunden beschäftigen, bisschen dahin zu leiten, ... dass sie natürlich auch hinter TYPO3 stehen und dementsprechend das proaktiv an unsere Kunden kommunizieren und gemeinsam auch, und das ist glaube ich der Best Case, mit dem Kunden gemeinsam Ideen zu entwickeln, die wir dann auch in TYPO3 zurückspielen können. Also quasi “mach es zu deinem Projekt” und involvier, was geht. Das schätzen glaube ich auch unsere Kunden, insbesondere, weil wir da eben keine feste Grenze ziehen, zu sagen, was ein Entwickler darf mit dem Kunden nicht reden oder Ideen äußern. Das finden unsere Kunden sehr gut. Da kriegen wir recht viel positives Feedback.

Myrna Gönnemann (05:10)
Habt ihr eine strategische Positionierung neben der Technologie, also neben TYPO3 an sich, oder setzt ihr vielleicht auf spezifische Branchen oder spezifische Anforderungsprofile von Kunden?

Jan Suchandt (05:21)
Technologisch sind wir relativ offen. Natürlich ist TYPO3 eine unserer größten Units. Wir haben aber auch technologisch ganz andere Units. Ganz stark ist bei uns natürlich die Java-Unit, aber auch andere Content-Management-Systeme, wie Neos beispielsweise, werden bei uns auch gefördert. Wir versuchen da eben technologieoffen zu bleiben, ein großes Portfolio den Kunden zu bieten. Branchentechnisch haben wir in den letzten Jahren festgestellt, dass wir uns natürlich in spezifische Branchen bedient haben. Wir uns dadurch aber selber einschränken und versuchen eben quasi jetzt auch darüber hinaus ein bisschen aktiver zu werden, zu sagen, wir konzentrieren uns nicht nur auf Hidden Champions, sondern eben auch quasi auf Big Player als auch auf kleinere Kunden. Einfach, dass wir das schön in einem divergenten Kundenportfolio haben.

Myrna Gönnemann (06:01)
Du hast auch gerade schon die anderen Units angesprochen. Wie verhält sich denn die TYPO3 Unit zu den anderen Tech Units bei euch? Also gibt es da irgendwie einen Konkurrenzdruck untereinander oder lernt ihr voneinander?

Nick Bartlitz (06:13)
Genau, ist natürlich eine interessante Frage. Es gibt schon ein gewisses gesundes Konkurrenzverhalten, würde ich sagen. Aber hauptsächlich lernen wir untereinander und voneinander. Das ist, finde ich, auch ein wichtiger Punkt und ein wichtiger Faktor, den man auch nutzen sollte. Und ich denke, mit dem Zusammenhang mit dem gesunden Konkurrenzverhalten, aber auch dem regen Austausch, den wir natürlich zwischen den Units pflegen, sind wir da sehr gut aufgestellt und wir können halt oder haben auch schon in der Vergangenheit untereinander gelernt von gewissen Impulsen, die aus den anderen Units kamen und konnten das quasi dann wieder abmünzen auf unsere TYPO3 Unit beispielsweise und konnten da quasi Weiterentwicklungen oder verschiedene Sachen nutzen für uns.

Myrna Gönnemann (06:51)
Gab es bei euch schon Wechsel innerhalb von Units oder von einer Unit zu einer anderen Unit?

Jan Suchandt (06:56)
Also wir versuchen das natürlich relativ offen zu halten, weil wir wissen, wir können natürlich die, auch wenn der Need vielleicht manchmal da ist und zum Beispiel mehr TYPO3 Kundenprojekte gerade anstehen, Entwickler natürlich nicht zwingen, bestimmte Lösungen oder Technologien zu nutzen. Wir haben uns dadurch aber rausgefunden, indem wir halt eine relativ offene Kultur haben, dass wir untereinander quasi, und das ist ja bei den meisten Projekten ebenso, dass es halt nicht nur eine Lösung ist, sondern verschiedene Technologien hereinspielen, ob das nun Schnittstellen sind, ob das Anbindung an Shop-System ist, da quasi offen zu sein. Der Vorteil ist natürlich, dass wir da dadurch auch viel, viel mehr abdecken können ... von den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden, indem wir halt sagen, es ist halt ein Thema, da kann man sich reinarbeiten, man arbeitet sich in HubSpot rein und dann kommt natürlich so ein Wechsel gerne mal zustande, aber wir versuchen das sogar zu fördern, weil es eben unser Portfolio auch bereichert.

Myrna Gönnemann (07:43)
Als ihr damals die TYPO3-Unit großgezogen habt, habt ihr da neue Leute angestellt oder hat sich das einfach organisch so entwickelt, dass ihr bestehende Kollegen da hinsetzen konntet, weil die immer schon TYPO3-Projekte umgesetzt haben?

Nick Bartlitz (07:56)
Natürlich war das von Anfang an, hat sich das, wie Jan schon zuvor erwähnt hatte, alles bisschen organisch gewachsen. Wir haben jetzt nicht direkt Leute eingestellt. Die Leute, die Lust drauf hatten, haben quasi die Hand gehoben und gesagt, hier, ich bin dabei, ich habe Ideen, ich habe eine Idee, die ich gerne mitbringen wollen würde und so hat sich dann quasi die Unit herauskristallisiert. Man hat dann gesehen, welche Leute da engagiert sind, und es hat sich so eine kleine Base gebildet und von der sind wir quasi dann weiter nach aus und haben das Ganze ausgebaut und mehr organisiert. Wie Jan auch schon gesagt hatte, waren dann natürlich Jan und Tim dann ein bisschen die Organisatoren von der ganzen Sache und so konnten wir das quasi generisch aufbauen und hochziehen.

Jan Suchandt (08:31)
Das war, glaube ich, noch vor Nicks Zeit. Also tatsächlich haben wir, soweit ich das kenne, seit den neun bis zehn Jahren, wo ich bei 3m5 bin, einen TYPO3-Entwickler angestellt. Das heißt auch, unsere Unit ist natürlich sehr groß und jetzt ist natürlich die Frage, wenn wir nicht anstellen, Entwickler, wie wir so eine Expertise und so eine Unit dann eben auch fachlich aufbauen können. Ein Grund ist, dass wir unsere jungen Talente und unser Ausbildungsprogramm sehr ernst nehmen und sehr viel fördern. Das fängt an mit dem Mentoring-Programm, wenn jemand bei uns reinkommt, der starke Hilfsbereitschaft innerhalb von TYPO3 oder unserer Unit hat, bis hin zu abschließendem Coaching. Also bei uns ist es nie so, dass ein Entwickler oder ein Angestellter oder Azubi allein gelassen wird, sondern halt immer ein Ansprechpartner zu jeder Zeit. Und ich glaube, das ist auch ein Punkt, warum wir gar nicht so den Bedarf haben, irgendwo zu sagen, wir stellen jetzt, wir suchen ganz konkret noch TYPO3-Entwickler oder stellen TYPO3-Entwickler an, weil unser Ausbildungsprogramm denke ich mal sehr, sehr solide ist.

Myrna Gönnemann (09:25)
weil du das gerade schon angesprochen hast, Thema Nachwuchsförderung, und das ist ja auch ein Thema, was nicht nur mir sehr am Herzen liegt, sondern halt grundsätzlich auch bei uns in der Firma und auch bei uns in der Community eine große Sache ist, ein großes Thema ist. Und Nick, du warst ja auch beispielsweise auf dem diesjährigen TYPO3-Surfcamp, was unsere offizielle Nachwuchsförderungsveranstaltung ist. Deswegen interessiert es mich einfach grundsätzlich, wie geht ihr mit dem Thema TYPO3 bei jungen Leuten um? Wie schafft ihr es in der TYPO3 Unit bei euch, die Leute auch dafür zu interessieren, den Nachwuchs dafür zu interessieren, für ein Content-Management-System?

Nick Bartlitz (10:00)
Das ist natürlich ein wichtiges Thema. Ein großer Punkt bei uns. Ich denke, einer der wichtigsten Faktoren, den wir natürlich schon seit Jahren so verfolgen, ist, neue Leute direkt in reale Projekte zu bringen. Dazu kommt, was sehr gut funktioniert, was auch bei mir damals so umgesetzt wurde, ist moderne Features innerhalb der Software beispielsweise zu finden, wie bei mir damals war es beispielsweise das Form-Framework von TYPO3 und dadurch kommt man besser voran. Man hat gleich einen modernen Bereich, in dem man sich erstmal, sagen wir mal so, spezialisieren kann und austoben kann und nicht gleich mit dem Gesamten, was beispielsweise TYPO3 liefert, überfordert wird. Und das hat in Erfahrung ziemlich gut funktioniert. Dazu haben wir natürlich, wie Jan schon erwähnt hatte, das Mentoring oder ein Coaching-Programm, wo quasi jeder neue Entwickler bei uns oder der in verschiedene Teilprojekte einsteigt, einen Mentor bekommt. Und es geht einfach darum, quasi bei Problemen oder Nachfragen zu helfen und die Leute zu unterstützen. Zusätzlich haben wir natürlich eine hilfsbereite TYPO3-Unit. Man steht also nie allein da, wenn man auf irgendwelchen Problemen steht. Und zusätzlich, wie du schon gesagt hattest, hattet ihr natürlich auch das Surfcamp, welches ich dieses Jahr besuchen durfte. Und da ist es natürlich so, dass wir auch versuchen, Kollegen dazu anzuregen, an Events teilzunehmen, sich gegebenenfalls auch besser mit TYPO3 zu identifizieren. Bei mir war natürlich ein großer Punkt oder ein großer Umschlagspunkt das Surfcamp, weil ich gemerkt habe, okay, die Community ist echt toll, die Community ist offen, es wird eben keinem der Kopf abgerissen. Falls man mal irgendwas Falsches sagt, es wird geholfen, es werden hier Impulse gegeben von verschiedenen Problemen und ich denke, das ist bei uns eine ähnliche Sache. Und wir versuchen natürlich dann, die Leute hier bestmöglich reinzuführen. Das ist natürlich auch nicht immer der Fall, dass die Leute dann sagen: „Okay, das ist toll, was mir hier ist, was wir hier machen sollen.“ Es ist vielleicht auch nie mein Bereich, wo ich unbedingt hin will. Das ist auch richtig, weil es auch wichtig ist, rauszufinden für sich selber, was man vielleicht nicht machen mag. Kommt auch vor. Und das wird natürlich auch unterstützt. Das ist gar kein Problem. Und ich denke, dadurch hat man ein Ökosystem, das man schafft. Jeder quasi seinen Platz finden kann und das Ganze generisch wächst.

Myrna Gönnemann (12:09)
Du hast ja gerade das Thema Events angesprochen auch. Wie macht ihr das mit den nicht zu verrechnenden Zeiten? Also Zeiten, eben gerade da reinfließen in die Präsenz auf Events, aber auch für Dinge wie das Lernen für Zertifizierungen, für Contribution bei Open-Source-Projekten oder Ähnliches. Das ist ja halt eine Zeit, die ihr gegebenenfalls verteidigen müsst, weil die halt einfach nicht wirtschaftlich ist. Wie macht ihr das in eurer Unit?

Jan Suchandt (12:33)
Da haben wir das ganz, ganz große Glück, dadurch, dass wir eben schon so viele Jahre im TYPO3 aktiv sind, da die Geschäftsführung komplett hinter uns zu haben. Es ist natürlich klar, dass wir natürlich auch Zeiten haben, die wir rechtfertigen müssen vor der Geschäftsführung, aber das wird relativ offen kommuniziert. Beispielsweise für Zertifizierung ist es so, dass jeder individuell ein Budget hat, je nachdem, welche Zertifizierung das ist. Bestimmt also bei einer TYPO3-Developer-Zertifizierung ist natürlich mehr Zeit für die Vorbereitung erforderlich als jetzt beispielsweise bei der beim Editor, allein schon vom Umfang her. Und wir nutzen auch Events nicht nur quasi Präsenz zu zeigen, sondern vor allen Dingen auch, quasi die Junioren zu stärken und auch neue Leute zu begeistern. Also, wir versuchen wirklich, Leute, die mit TYPO3 das erste Mal in Berührung kommen, auch wirklich mitzunehmen und die Junior-Entwickler davon zu überzeugen, wie schön die Community ist. Insbesondere ist es auch so: Wir lernen extrem viel auf den Events, was wir versuchen, immer mitzubringen. Sprich, uns ist es absolut normal, dass wenn wir Events besuchen, in-house, dann natürlich diese Events aufarbeiten, Präsentation halten, einfach quasi den Leuten zu zeigen, was wir lernen, und das Wissen auch zu teilen. Also prinzipiell ist es so, dass die Geschäftsführung, da können wir sehr, froh sein, dass wir da so viel Rückenwind haben.

Myrna Gönnemann (13:40)
Das ist also quasi euer Return on Invest von den Events selbst.

Jan Suchandt (13:43)
Genau, also uns ist auch bewusst, dass zeigen auch andere Units und da denke ich mal, müssen wir noch ein bisschen mehr in unserer Unit arbeiten, dass man natürlich auch durch Events und Talks und durch Präsenz zeigen auch Kunden gewinnen kann. Das passiert schon bei uns bei einigen Units und das ist quasi aktuell der Punkt, an dem wir arbeiten, dass wir noch mehr nach außen gehen, noch größere Talks halten, nochmal Präsenz zeigen und eben dadurch auch Kunden erreichen. Wir wissen, dass das geht und ja, das ist der nächste Return of Investment, den wir anpeilen.

Myrna Gönnemann (14:10)
Finde ich total spannend, weil das ist ein Thema, welches wir halt sehr häufig auch bei uns haben, dass halt eben die Talks auf Events, auch auf Branchen-Events wie TYPO3-Konferenzen oder ähnlichem, dass die halt einfach auch ein gewisser Referenzpunkt sind, auf den man sich halt bei Kundenakquise beziehen kann. Und das ist halt natürlich ein gewisser Trust Factor, den du halt mitgeben kannst. Das ist eine total spannende Herangehensweise, finde ich total toll, dass eure Geschäftsführung auch so mitmacht und auch unterstützt positiv.

Ich möchte gerne noch mal auf das Thema Zertifizierungen zurückkommen. Da habt ihr gerade kurz darüber gesprochen. Wie integriert ihr das bei euch in den Alltag? Ist das bei euch eine Pflichtvorgabe, dass ihr Zertifizierungen machen müsst? Ist es nur in der TYPO3 Business Unit so oder ist es bei euch auch übergreifend ein Thema?

Jan Suchandt (14:54)
Also natürlich ist Zertifizierung immer, ich sag mal, ein recht spannendes Thema, weil es natürlich auch mit Aufwand und es hängt ja natürlich auch Budget dran und deswegen ist es am Anfang uns tatsächlich recht schwergefallen, Leute dafür zu begeistern. Mittlerweile sind wir an dem Punkt, ich glaube, das war wie so ein Snowball-Effekt, den wir hatten, dass sich die Leute, die sich zertifizieren lassen haben, quasi sich gegenseitig beflügelt haben. Es gab teilweise sogar Competitions, wer mehr Zertifikate hat. Und wir haben diesen einen Punkt getroffen, wo es sich irgendwann verselbstständigt hat. In dem Fall ist es jetzt so, dass selbst Leute, die mit der Lösung, mit der Unit nichts zu tun haben, schon Bock haben, Zertifikate zu machen. Und es ist natürlich auch klar, dass das belohnt wird von uns gibt, glaube ich, so eine kleine Prämie für ein Zertifikat, was die Geschäftsführung auszahlt. Das ist natürlich auch ein Punkt, da mit reinspielt. Aber ich glaube, der größte Punkt ist, wie gesagt, dass wir uns dann selber freuen und das voneinander präsentieren und bei der Geschäftsführung präsentieren, wie viele Zertifikate wir jetzt wann gemacht haben. Der aktuellste Claim ist halt gerade, wir wollen das Quadrupel haben. Also das Triple war gestern. Jetzt ist gerade das Ziel, dass alle vier Zertifikate haben.

Myrna Gönnemann (15:54)
Ich finde es total spannend, weil ich finde den Ansatz von einer Competition, wenn sie nicht irgendwo toxisch ist, sondern wenn es wirklich eine witzige, motivierende Competition ist, wenn du so einen Gamification-Faktor drin hast, ist es eine total tolle Herangehensweise, auch Leute wirklich zu zertifizieren. Und das führt im Endeffekt auch zu besseren Projekten, egal wo, und auch zu einer Motivation bei den Mitarbeitern. Grundsätzlich, nicht nur, weil dann die Zertifizierung geschafft ist.

Nick Bartlitz (16:20)
Das stimmt. Dazu muss man sagen, wie Jan schon erwähnt hatte, es hat auch Leute außerhalb von TYPO3 oder von unserer TYPO3 Unit begeistert. Und das ist natürlich, denke ich, ein Faktor, der auch wichtig ist, Leute außerhalb dieses Bereiches mit zu motivieren und vielleicht doch zu motivieren, sich mal TYPO3 anzuschauen. Und das ist wieder quasi der Bogen dazu, zu sagen, unsere TYPO3 Unit bringt was, ein generischer Austausch auch unter den Units und es wächst und es lässt die Leute motivieren.

Myrna Gönnemann (16:44)
Ja, wie gesagt, diese Motivation, daraus kommt, das ist natürlich halt auch eine tolle Sache. Es ist halt ein bisschen wie damals in der Schule, wenn man halt eine Klausur sehr gut geschafft hat. ist halt, ist es halt ein Ding, das motiviert, das ist super, dass ihr da so ein System gefunden habt, was bei euch funktioniert. Ist das bei euch denn wirklich nur bei der TYPO3 Business Unit oder ist es halt auch übergreifend? Gibt es da überhaupt Zertifizierungen, die gemacht werden müssen bei anderen Systemen, bei anderen Units? Ja.

Jan Suchandt (17:08)
Also TYPO3 ist natürlich nur ein Beispiel. Verschiedene Zertifikate, die wir hier anbieten, teilweise kommt es aus dem Need heraus, weil wir beispielsweise sagen, wir wollen und dürfen uns mit einer bestimmten Lösung beschäftigen. Das ist eigentlich relativ frei, also es ist nicht beschränkt auf eine Unit. Wo wir gerade aktuell dran sind, und das ist tatsächlich auch von intern getrieben, von den Kollegen, ist das ganze Thema mit AI. Aus dem Punkt auch, weil wir natürlich am Zahn der Zeit bleiben wollen, uns informieren wollen und wissen wollen, wo die Reise hingeht. Und das ist ja gerade ein sehr spannendes Thema. Und das ist auch wieder tatsächlich von innen heraus entstanden, dass wir sagen, okay, es wird nicht von oben nach Top-Down-Prinzip aufdoktriniert, ... sondern es kommt von innen und ich glaube, das ist der Punkt, warum das bei uns so gut und gesund funktioniert.

Myrna Gönnemann (17:44)
Mal ein ganz anderes Thema. Worauf habt ihr beim Aufbau der Business Unit falsch gesetzt? Was würdet ihr anders machen, wenn ihr jetzt noch mal eine Unit von neu starten würdet?

Jan Suchandt (17:55)
Das ist eine sehr spannende Frage. Als ich vor knapp neuneinhalb Jahren bei 3m5 ankam, gab es auch schon eine kleine Unit. Wir haben tatsächlich sehr, sehr starke Anlaufschwierigkeiten gehabt, weil wir uns zu viel in technologischen und technischen Details verloren haben und uns ganz, ganz viel getroffen, ganz, ganz viel geredet. Wir haben aber nie wirklich geschafft, da ein Outcome zu haben und Leute zu begeistern, weil wir uns zu sehr auf Konvention und Vorgaben orientiert haben. Wir haben dann aber gemerkt, es geht nicht darum, Standards zu setzen und Standards bei den Entwicklungen oder bei den Units zu etablieren, sondern Leute zu involvieren und zu aktivieren. Eine Maßnahme war dann beispielsweise, dass wir wissen, die Lernkurve TYPO3 ist steil, und wir versuchen, Maßnahmen zu finden, diese Lernkurve abzuflachen. Ob das jetzt nur ein Mentoring ist, ob das ein reger Austausch ist bei Zertifizierung, was wir da lernen oder eben quasi die Kommunikation als solche zu verarbeiten.

Myrna Gönnemann (18:43)
Wenn ich jetzt eine Agentur wäre und ich würde jetzt eine Unit starten wollen, was wären die drei Tipps, die ihr mir geben wollen würdet?

Jan Suchandt (18:51)
Was bei uns sehr gut funktioniert, quasi Präsenz zeigen, Technologieoffenheit zeigen, Involvement, Leute begeistern. Wer Gutes tut, sollte darüber reden, auf jeden Fall und auch mutig zu sein. Eine weitere Sache, die ich auf jeden Fall empfehlen kann, ist geht auf die Community zu. Das haben wir viel zu lange, zu wenig gemacht. Geht auf Events, lernt die Leute kennen, überwindet eure Angst quasi. Die Leute treffen, die sind alle super cool drauf und sind alle mit Herzblut dabei. Und das gibt noch mal eine ganz andere Motivation als wenn man eben quasi nur für TYPO3 oder für diese Unit für sich selbst halt arbeitet.

Myrna Gönnemann (19:25)
Wie sieht bei euch KI im Entwickleralltag aus? Macht das Zertifizierungen bei euch wichtiger, unwichtiger? Wie integriert ihr das bei euch?

Nick Bartlitz (19:32)
Pro System aktuell, wir finden, dass Zertifizierung vor allem im Kontext mit KI umso wichtiger werden. Man muss verstehen, wie die Software funktioniert. die KI natürlich bestmöglich zu nutzen und die Vorteile davon bestmöglich nutzen zu können, ist es wichtig, dass man ein Verständnis davon hat, wie die Software, mit der man arbeitet, funktioniert. Du musst in der Lage sein, die Sachen, die du damit schaffst, validieren zu können. Du musst wissen, wie du gewisse Ergebnisse erreichst, wie der Weg dahin aussieht und wie du diesen Weg schaffen kannst, und dazu ist halt das Wissen nötig.

Jan Suchandt (20:04)
Das ist natürlich ein extrem spannendes Thema. Ich glaube, das wird vielen Agencies oder IT-Dienstleistern so gehen. Unsicherheit schwingt da so ein bisschen mit und es gab auch bei uns sehr, sehr viel Austausch dazu, wie wir das Thema angehen können, wie wir denen entgegnen, ob das Thema überhaupt nur eine Bubble ist. Ich denke mal, dass die Themen oder die Diskussionen werden viele Agenturen oder Geschäftsführer geführt haben. Bei uns war es so, wir haben relativ schnell festgestellt, wir verkaufen halt nicht Codezeilen oder Variablen, sondern wir verkaufen Lösungen und auch die Diskussionen darum, warum wir quasi alle Liebe zur IT haben, ist nicht der Grund, weil wir gerne tippen, sondern Lösungen zu finden für Probleme und die besten Lösungen findet man eben nur mit Expertise und das ist der Punkt, wo KI vielleicht den Code schneller schreiben kann, aber die richtige Lösung zu finden, ob es mit TYPO3 ist oder mit anderen Frameworks oder mit anderen Lösungen, dafür braucht man Know-how und das Know-how kann man nur aufbauen, wenn man sich eben mit dem Thema intensiv auseinandersetzt. Zertifizierung ist dann natürlich eine super Möglichkeit, genau diese Expertise aufzubauen und das denke ich ist gerade zur heutigen Zeit umso wichtiger.

Myrna Gönnemann (21:03)
Ich hatte gerade zum Thema KI in einem meiner Podcasts eine sehr spannende Diskussion danach über die Rolle von KI in Bezug auf Junioren. Da war nämlich die These im Raum, wie sich die Rolle von Junioren aktuell verändert, weil eben ganz viele von diesen Routine- und Rechercheaufgaben, dass die übernommen werden von KI-Tools und dass eben da gerade bei den Junioren ein riesiger Aufgabenbereich einfach quasi weggefressen.

Wie seht ihr das und wie ist eure Meinung dazu? Wie geht ihr damit um und wie integriert ihr bei euch die Junioren? Ich weiß, ihr habt das schon bisschen zu erzählt, aber wie haltet ihr da die Junior-Pipeline auch am Laufen, dass da halt einfach immer genug Integration in Projekte ist, ohne dass diese Aufgaben von KI-Tools komplett schon übernommen werden können?

Jan Suchandt (21:52)
Ich denke, es hat relativ viel Unsicherheit. Wir haben einen Weg gefunden, quasi zu sagen wir wissen, mit KI ist man schnell und man kommt zu Ergebnissen. Aber wenn man eben nicht weiß, was man tut, dann kann man natürlich dabei auch nichts lernen. Deswegen gab es ganz, ganz viel Austausch dazu, auch mit den Junioren selbst und mit den Seniors und mit den Leuten, die KI schon sehr, stark einsetzen. Und wir haben festgestellt, KI hat eben noch einen anderen Vorteil, der gerne verschwiegen wird. Und zwar kann man auch supergut mit KI lernen. Also man setzt eine Lösung unterhält sich mit seinem Senior und geht dann gemeinsam mit der KI durch, festzustellen, was dann da passiert, warum ist die Lösung so entstanden, was ist die diese Teile Code oder gibt es vielleicht eine bessere Lösung. Also es ist nicht nur eine Einbahnstraße, KI zu benutzen, Code oder Lösung zu produzieren, sondern man kann es auch umdrehen und sagen, okay, KI kann auch ein super Helfer sein, jetzt bestimmte Lösungswege gut zu finden oder eben mit den produzierten Lösungen quasi größer zu werden und daraus zu lernen.

Nick Bartlitz (22:48)
Ich würde dazu auch noch gerne was ergänzen. Also die These war ja quasi, dass viele Aufgabenbereiche von Junioren wegfallen. Wie du schon sagst, Rechercheaufgaben und alle recht trivialen Sachen. Und ich bin der Meinung, dass Junioren gerade vor allem in der aktuellen Zeit umso wichtiger sind, mit dieser Technologie zusammenzuwachsen, weil dadurch hat der Markt natürlich mittlerweile ein immer weiter wachsendes Loch an Leuten, die quasi wirklich die KI anwenden können und auch technisch tief drin sind und ganze Systeme quasi mit KI bauen können oder quasi als Architekt schaffen können und ganze Systeme und Workflows und Abläufe. Ich denke, da ist quasi der Need ziemlich groß und vor allem sehr gut füllbar durch Junioren, die natürlich gerade neu reinkommen, diesen Bereich zu belegen und da diesen Bereich auszubauen. Und ich denke, da sind Junioren gerade umso wichtiger.

Myrna Gönnemann (23:37)
Ich denke, das war einiges an Input. Ganz lieben Dank euch beiden für die schöne Aufnahme hier. Ich hoffe, wir hören uns bald wieder und danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt.

Nick Bartlitz (23:49)
Natürlich sehr gerne.

Myrna Gönnemann (28:27)
Ciao!